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23. April 2006
Starke Defizite bei den Fahrradfahrern - (KStA, Mike Wilms, 22.04.06) - Immer mehr Kölner fallen betrunken vom Fahrrad. Doch nicht nur das: Unbekümmert radeln sie bei Rot weiter, befahren Einbahnstraßen in der falschen Richtung, halten sich nicht an Tempolimits. Ursache dafür ist nicht immer böse Absicht. Den Wissensstand der Radfahrer über die Straßenverkehrsordnung bewertet Erich Koprowski vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club mit einem Wort - „erschreckend“ ... Um diese bedenkliche Lage zu verbessern, hat der Expertenkreis „Velo 2010“ eine Art Führerscheinprüfung für Fahrradfahrer erdacht. Dabei geht es jedoch nicht um eine offizielle Bescheinigung, sondern um das Internet-Quiz „Sicheres Radfahren“ ..
Wir kürzen den Artikel an dieser Stelle, weil im Wesentlichen wiederholt wird, was über das Verkehrsquiz bereits berichtet wurde. Die Tendenz des Artikels ist ärgerlich: Radfahrer "fallen besoffen vom Rad", "radeln unbekümmert", "fahren falsch" und "halten sich nicht" an was auch immer. Wem an einer fairen Berichterstattung und an einer Beseitigung von Mißständen gelegen ist, sollte mehr differenzieren. Wer starke Worte wie "starke Defizite" in den Mund nimmt, sollte ehrlicherweise ergänzen, daß es keine Führerschein- und keine Verkehrszeichenprüfung für Radfahrer gibt. Wenn der Radfahrer sich mit der Straßenverkehrsordnung auseinandersetzt, tut er das genau so freiwillig, wie der Autofahrer mit Tempo 130 auf der Autobahn. Können wir da nicht auch ein starkes Defizit ausmachen? Daran hat der Redakteur wohl auch gedacht, als er den Radfahrern bescheinigte, sie würden sich nicht "an Tempolimits halten." Das ist nun wirklich blanker Unsinn: In Köln gibt es kein einziges Tempolimit für Radfahrer.
Das Internetquiz wiederum ist eine rundherum positive Sache, weil sie unverkrampft an die jungen Verkehrsteilnehmer, sprich Fahrradfahrer, herangeht. Ein Ersatz für notwenige strukturelle Änderungen kann es aber nicht sein. (rb/mfg)
04. Mai 2006
Radverkehrs-Mängelrundfahrt 2006 in Köln-Mülheim. In Zusammenarbeit des ADFC mit der Mülheimer Fahrrad Gruppe treffen sich heute bei strahlend schönem Wetter am Genoveva-Schwimmbad:
Die Frauen Scho-Antwerpes (Bürgermeisterin), Neumann (mfg), die Herren Bauerfeind (mfg), Claußen (Fahrradbeauftragter Stadt Köln), Hackl (Büro Scho-Antwerpes), Koprowski (ADFC), Simon (Polizei Köln, Direktion Verkehrs-Unfallbekämpfung), Steffenhagen (Polizeipräsident) und Vertreter der Kölner Presse, um sich auf einer kleinen Tour durch Mülheim Gefahrenpunkte für den Radverkehr anzuschauen.
Da alle Punkte, wie Keupstraße, Bergisch Gladbacher Straße, Mülheimer Brücke, usw. auf diesen Seiten ausführlich im Kapitel "Projekte" behandelt werden, wollen wir das hier nicht wiederholen. Wir werden an dieser Stelle aber die Zeitungsberichte über die Tour veröffentlichen, die möglicherweise neue Aspekte in's Spiel bringen oder sogar Lösungen. Unser Foto zeigt den Erfrischungsstand des ADFC am Tourstart. Einen schönen Dank an das Team vom Genovevabad, daß uns unbürokratisch Platz zur Verfügung stellte. (rb/mfg)
08. Mai 2006
Slalom zwischen parkenden Autos - (Kölnische Rundschau, 05.05.06, Lars Hering) Mülheim - 257 Fahrradfahrer wurden im Stadtgebiet in den ersten vier Monaten dieses Jahres verletzt. "Darunter waren 32 Schwerverletzte und zwei Tote. Eine gravierende Zahl.” sagte Helmut Simon, Direktionsleiter Verkehr bei der Kölner Polizei. Doch wo liegen die Ursachen? Um das herauszufinden, schwangen sich Bürgermeisterin Elfie Scho-Antwerpes, Polizeipräsident Klaus Steffenhagen, der städtische Fahrradbeauftragte Thorsten Claußen und Mitglieder der Mülheimer Fahrrad Gruppe zu einer “Radverkehr-Mängel-Tour” durch den Bezirk auf den Drahtesel.
“In Köln gibt es unter Verkehrsteilnehmern eine gewisse lasche Einstellung hinsichtlich der Einhaltung von Verkehrsregeln. Fahrradhelme hätten aber oft gravierende Folgen verhindert.” sagte Simon. Rolf Bauerfeind, Mitglied der Mülheimer Fahrrad Gruppe, entgegnete, “An Konfliktstellen werden Autofahrer durch bauliche Maßnahmen bevorzugt. Das schafft Gefahrensituationen für die Radfahrer.” Die vier Kilometer lange Tour brachte reichlich Diskussionsstoff.
Erste Station: Keupstrasse. Vor den Augen der Mängeltour-Teilnehmer schlängelten sich Radfahrer zwischen den in zweiter Reihe parkenden Autos hindurch. Die Forderung der Fahrradgruppe: “Die Einbahnstrasse muß für die Radfahrer in beiden Richtungen passierbar sein.” Aber wie? “Radstreifen nützen hier nichts. Die Autofahrer parken trotzdem dort. Wir verteilen pro Jahr bis zu 600 Verwarnungen. Das ist ein unlösbares Überwachungsproblem.” sagt Peter Menger, Abschnittsleiter Verkehrsüberwachung. Befestigte Radwege würden die Strasse unzumutbar verengen.
Einige Minuten später traut Steffenhagen seinen Augen nicht, als ein Sattelschlepper mit hoher Geschwindigkeit durch die an dieser Stelle verengte Bergisch Gladbacher Strasse brauste. Denn an beiden Seiten parkten rund um die Zufahrt der Kölner Verbund-Brauerei Autos halb auf der Straße. Die Folgen: “Radfahrer wichen auf die Gehwege aus.” “Hier müssen Poller das Parken verhindern”, meinte Claußen. Kopfschüttelnd sagte Steffenhagen: “Also, bei dem Verkehr würde ich als Radfahrer auch auf dem Gehweg fahren.”. Scho-Antwerpes versprach, bei Wolf-Dieter Kölsch, Geschäftsführer der Kölner Verbund-Brauereien, das Aufstellen von Blumenkübeln an dieser gefährlichen Stelle einzufordern.
Weiter ging es in Richtung Holweide. Hinter dem Eisenbahntunnel hörte der Radweg auf. Das zumindest glaubten Scho-Antwerpes und Steffenhagen.. Fahrradbeauftragter Claußen belehrte mit einem Hinweis auf die roten und grauen Steine des Gehwegs: “Das soll nicht besonders schön sein, sondern zeigt, dass sich hier Radfahrer und Fußgänger den Weg teilen.” Doch ein Schild dafür gibt es nicht. Vorbeifahrende Radler jedenfalls nutzten die Straße.
Letzte Station: Mülheimer Brücke. Trotz Einbahnregelung trafen hier Radfahrer aus beiden Richtungen aufeinander. Gefährlich wurde es bei den Brückenpfeilern, weil sie die Sicht auf den - unerlaubten - Gegenverkehr nehmen. “Investitionen in den Radverkehr sind dringend notwendig” forderte Bauerfeind. Doch guter Rat ist teuer: “ Wegen der angespannten Haushaltssituation muß auch beim Radverkehr gespart werden.” sagte Claußen. (Auf dem Bild von links Steffenhagen, Scho-Antwerpes, Koprowski, Hackl, Bauerfeind)
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